Wenn der Glaube sichtbar wird

Ich war lange unschlüssig, ob ich die diesjährige Fussball-Weltmeisterschaft überhaupt verfolgen soll. Die politische Instrumentalisierung des Turniers hat mich nachdenklich gemacht. Und doch: Die Fussball-WM begeistert Millionen von Menschen. Sie lebt von Emotionen, Leidenschaft und grossen Geschichten.

Doch dieses Jahr bewegt mich noch etwas anderes. Immer wieder sehe ich Spieler, die nach dem Schlusspfiff auf die Knie gehen, Gott danken oder in Interviews ganz selbstverständlich bekennen, dass Jesus Christus der Mittelpunkt ihres Lebens ist.

Das beeindruckt mich.

Nicht, weil diese Sportler perfekt wären. Nicht, weil sie deshalb automatisch bessere Fussballer wären. Sondern weil sie ihren Glauben dort nicht verstecken, wo die Aufmerksamkeit der Welt am grössten ist.

Während viele Menschen meinen, Glaube gehöre ins Private, leben diese Spieler etwas anderes vor. Sie machen niemandem Vorschriften. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie schämen sich auch nicht für ihren Glauben. Sie wissen, wem sie ihr Leben verdanken.

Ich frage mich: Haben wir als Christinnen und Christen manchmal mehr Angst vor den Reaktionen unseres Umfelds als Vertrauen auf Jesus?

Es fällt uns oft leichter, über Ferien, Hobbys oder den letzten Fussballmatch zu sprechen als über den Glauben, der unser Leben trägt. Dabei fordert Jesus uns nicht dazu auf, laut oder aufdringlich zu sein. Er ruft uns vielmehr dazu auf, Licht zu sein. Licht muss nicht auf sich aufmerksam machen – es leuchtet einfach.

Mich beeindruckt zudem, dass viele dieser Sportler nach einem Sieg den Blick von sich weglenken. In einer Zeit, in der Selbstinszenierung fast selbstverständlich geworden ist und der Mensch sich gerne selbst ins Zentrum stellt, zeigen sie auf den, der grösser ist als jeder Titel und jede Medaille. Das ist eine wohltuende Gegenbewegung.

Natürlich besteht auch die Gefahr, Glauben zur Show werden zu lassen. Jesus warnt uns davor, Frömmigkeit zur Selbstdarstellung zu missbrauchen. Doch diese Gefahr darf nicht dazu führen, dass wir aus lauter Vorsicht verstummen. Ein Glaube, der nie sichtbar wird, kann auch niemandem Hoffnung schenken.

Vielleicht werden wir nie vor Millionenpublikum interviewt. Aber jeder von uns hat seine Bühne: den Arbeitsplatz, die Schule, die Nachbarschaft, den Verein oder den Freundeskreis. Dort entscheidet sich, ob unser Glaube bloss eine private Überzeugung bleibt oder ob Menschen durch unser Leben etwas von Jesus entdecken.

Die Fussball-WM wird bald vorbei sein. Der Weltmeister wird irgendwann vergessen sein. Doch ein Mensch, der auf Jesus Christus hinweist, investiert in etwas, das bleibt. Das hat Ewigkeitswert.

Ich wünsche mir, dass wir als Kirche den gleichen Mut entwickeln wie manche Fussballprofis: authentisch, demütig und ohne Angst zu unserem Glauben zu stehen. Nicht, damit wir gesehen werden, sondern damit Menschen den sehen, auf den unser Leben hinweist: Jesus Christus.

Verfasser

Jim Bühler

Pastor

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